von: Martha Gledhill, Anja Conventz, Albert Firus (GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel)

Wenn die anderen WissenschaftlerInnen oder die Crew der SO305 an der Tür des Trockenlabors II vorbeigehen, wundern sie sich über die interessanten Outfits von uns – Martha, Anja und Albert. Auch unser Labor selbst sieht anders aus als die anderen Labore an Bord der SONNE. Denn wir haben in unserem Labor ein “Reinraumzelt” mit Hilfe von Plastikfolieund einem luftfilternden “laminar flow hood“ aufgebaut, um eine spurenmetallfreie Umgebung für unsere Proben zu gewährleisten – daher die weißen Ganzkörperanzüge.

Wasser entnehmen wir dem Golf von Bengalen mit GoFlo-Flaschen und einem towfish. Mit den sechs GoFlos nehmen wir je 8 Liter Wasserproben pro GoFlo an den Stationen bis zu einer Tiefe von 500 m unter der Meeresoberfläche. Durch Zufall liegen unsere Probennahmen oft bei Sonnenauf- und untergang, sodass wir früh aufstehen und die schöne Aussicht bewundern können. Während die GoFlos von der Crew langsam nacheinander ins Wasser gelassen werden, beobachten wir oft Meeresbewohner wie fliegende Fische und Tintenfische.
Die sechs GoFlo-Flaschen werden in regelmäßigen Abständenan einem Kevlar-Draht befestigt. Unsere Flaschen sind vergleichbar mit den Niskin-Flaschen einer CTD, haben aber an beiden Enden der Flasche einen Kugelmechanismus, der die Flasche auslöst, wenn ein Gewicht auf sie trifft, und die Flasche verschließt. Gleichzeitig wird ein anderes Gewicht, das an der Flasche hängt, losgelassen, um die nächste Flasche zu schließen. Nach dieser Kettenreaktion schließen sich die Flaschen innerhalb weniger Minuten, was man spüren kann, wenn man die Hand an den Draht legt. Nach dem Schließen der Flaschen werden sie wieder an Deck und von dort ins Labor gebracht, wo sie zur Probennahme vorbereitet werden.

Zusätzlich zu dieser Beprobung nehmen wir mit einem towfish Proben des Oberflächenwassers aus einer Tiefe von 2 Metern. Die SONNE muss dafür nicht anhalten, also wird ständig Meerwasser durch einen mehr als 75 Meter langen Schlauch in unser Labor gepumpt. Dort nehmen wir dann zu regelmäßigen Zeiten Proben, die wir später auf verschiedene Spurenmetalle, Isotope und Nährstoffe analysieren.
Warum brauchen wir diese spezielle Ausrüstung, das saubere Zelt und den Ganzkörperanzug, um unsere Proben zu nehmen? Weil wir Eisen und andere Spurenmetalle wie Zink und Mangan im Meer messen wollen und unsere Proben vor unserem großen Stahlschiff und anderen Quellen der Metallverschmutzung schützen müssen. Wenn wir unsere Proben gründlich schützen, können wir verstehen, woher die Spurenmetalle an der Meeresoberfläche stammen und wie diese essenziellen Metalle das Phytoplanktonwachstum im Golf von Bengalen beeinflussen.
